Vormittags bin ich Seelsorgerin

Vormittags bin ich Seelsorgerin

Seit 16 Jahren besucht Hannelore Huttenlocher ehrenamtlich Patientinnen und Patienten im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie

ehrenamtlich Patientinnen und Patienten im Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie

Sie weiß es noch wie heute: Das Türschild mit der Aufschrift „Seelsorge“ fiel Hannelore Huttenlocher (Foto) bei einer eigenen ambulanten Untersuchung vor vielen Jahren im Florence-Nightingale-Krankenhaus ins Auge und hat etwas in ihr angerührt. „In der Seelsorge sehe ich eine sinnvolle Aufgabe für mich. Ich möchte ein Stück Licht, von dem ich lebe, in die Zimmer tragen“, sagt die ehemalige Religions- und Musiklehrerin.

Nach einer Klinischen Seelsorge-Ausbildung (KSA) ist ihr erster Einsatzort 1999 in der Allgemein- und Unfallchirurgie. Heute besucht die 68-Jährige an zwei Vormittagen in der Woche Patientinnen und Patienten auf der Gynäkologie- und der Privatstation. Sie weiß nie, was sie hinter einer Klinikzimmertür erwartet.

Sie hat ein Gespür für die Zwischentöne im Gespräch, versucht das Ausgesprochene für sich zu übersetzen. Ein 80-jähriger Patient, der sich durch einen Fahrradsturz eine Beinverletzung zugezogen hat, bezeichnet sein Eigenheim als „den schönsten Platz“. „Er drückt damit aus, dass er sich dort wohl fühlt. Das ist ein Anknüpfungspunkt für ein Gespräch bei meinem Besuch“, sagt Huttenlocher.

Als Seelsorgerin arbeitet sie eng mit dem Pflegeteam des Krankenhauses zusammen. Zu ihren Aufgaben zählt auch, Menschen mit einer Krebsdiagnose zu besuchen. „Da bin ich erst einmal als Zuhörerin gefragt. Für Krebspatienten hat sich die Normalität umgekehrt, die Erkrankung reißt ihnen den Boden unter den Füßen weg“. Das gilt es oft mit auszuhalten und, wenn es angebracht ist, den Blick zu öffnen für etwas Hoffnungsvolles. „Hin und wieder kann das auch ein Bibelwort sein. Ich staune, was mir manchmal dazu einfällt am Krankenbett“, sagt die Christin.
Eine junge Frau, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, besucht sie regelmäßig. Hannelore Huttenlocher gibt ihr mit auf den Weg: „An der einen Seite von dir geht der Krebs als ungebetener Begleiter mit und an der anderen Seite Christus. Du lebst mit diesem Krebs, aber er hat keine Macht über dich, er darf dein Leben nicht voll bestimmen. Der Christus gibt dir die Kraft“. Manchmal beten sie auch zusammen oder lassen auch einmal Tränen fließen. „Dabei geht es auch um das Vertrauen, dass Gott uns führt und uns Türen öffnet“, davon ist die Seelsorgerin überzeugt.

Sie selbst schöpft Kraft in der stillen Zeit am Morgen, in der sie mit Texten aus der Bibel ihren Tag beginnt. Entspannung findet sie auch bei der Gartenarbeit und im Klavierspiel. „An der Art wie ich spiele, zeigt sich wie es in meiner Seele aussieht“.