Helfen durchs Zuhören

Helfen durchs Zuhören

Bärbel Wiegand ist Telefonseelsorgerin

Probleme anhören, Schicksale teilen oder ganz einfach nur zuhören. Das gehört zur Arbeit bei der Telefonseelsorge.

„Über einen Zeitungsartikel bin ich darauf gekommen“, sagt Bärbel Wiegand (Name geändert). „In einer Lebensphase, in der meine Kinder erwachsen wurden, habe ich mich 1998 dazu entschieden, meine Teilzeitstelle zu behalten und nebenbei noch etwas Anderes zu machen.“ Dieses „Andere“ wurde die ehrenamtliche Arbeit bei der Düsseldorfer Telefonseelsorge.

Nach entsprechender Ausbildung ist Bärbel Wiegand inzwischen seit 15 Jahren dabei. „Eine Grundvoraussetzung ist ein Interesse an Menschen. Auch eine gewisse Neugier, über den eigenen Tellerrand zu schauen, gehört dazu.“ Zweimal im Monat macht Wiegand Dienst. Entweder in der achtstündigen Nachtschicht von 23 Uhr am Abend bis morgens um 7 Uhr oder in einer der vier Tagschichten über vier Stunden. „Wie zeige ich Interesse beim Zuhören, wann stelle ich Rückfragen und wann lasse ich den Anrufer ausreden – darum geht es. Wir stehen den Menschen bei, halten etwas gemeinsam aus, ohne dass das Problem unbedingt gelöst werden kann und muss.“

Durch die Ausbildung und Erfahrung sowie den regelmäßigen Austausch mit den Hauptamtlichen in der Supervision weiß Bärbel Wiegand inzwischen, wie sie auf den Anrufer oder die Anruferin eingehen kann. „Ein Bauchgefühl bekommt man bereits beim Melden – über die Stimme zum Beispiel, wenn jemand außer Atem ist oder vielleicht bedrückt klingt. Es kommt darauf an, herauszubekommen, was ist hier gerade mein Auftrag. Manchmal liegt es oben auf und manchmal ist es diffus. Da gilt es, die Situation erst einmal ein wenig zu klären“, erklärt sie.

Mit den Schicksalen von anderen Menschen umzugehen, ist manchmal nicht einfach. Doch neben der Supervision als ein „Entlastungsventil“ helfen auch persönliche Erfahrungen. „Ich habe eine Arbeits-Kladde mit Gebeten, die eventuell dem Anrufer helfen können. Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass diese sogar eher für mich sind. Es kommt auch vor, dass ich überlege, ob dieses oder jenes Telefonat dem anderen Menschen geholfen hat. Aber es ist noch nie vorgekommen, dass ich einen ,Fall‘ gedanklich nicht mehr losgeworden bin“, sagt Wiegand.

Als persönliche Stärke beschreibt die Telefonseelsorgerin ihr Talent zum Strukturieren. Schwer gefallen sei ihr am Anfang, dass es nicht entscheidend ist, Probleme zu lösen. „Es geht darum, sich selbst zurückzunehmen, zuzuhören und keine Ratschläge zu erteilen“, sagt Bärbel Wiegand.

Nach fast 15 Jahren bringt sie eine gewisse Erfahrung mit. Das bedeutet für Wiegand aber nicht, dass die Telefonate immer nach demselben Schema ablaufen. „Die Themen haben sich verändert und jeder Anrufer ist anders. Wir wollen für den Menschen da sein, der sich bei uns meldet.“